Bären in Bayern: Informationen und richtiges Verhalten

Im Oktober 2019 wurde zum ersten Mal seit Bruno 2006 wieder ein wildlebender Bär im südlichen Bayern von einer Fotofalle abgelichtet. Innerhalb der nächsten Monate wurden immer wieder Spuren wie Kot und Tatzenabdrücke im südlichen Bayern gefunden. Wahrscheinlich wanderte das junge Männchen aus dem italienischen Trentino nach Bayern.

In diesem Artikel erfährst du, ob sich derzeit Braunbären in Deutschland aufhalten, wie du dich bei einer Begegnung zu verhalten hast und ob durch Bären eine echte Gefahr für Menschen ausgeht. Außerdem geben wir dir Hinweise darauf, was du im äußerst unwahrscheinlichen Fall eines Angriffs tun solltest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zurzeit gibt es in Bayern weder eine feste Population an Braunbären, noch hält sich dort ein Braunbär auf. Ein Aufeinandertreffen ist sehr unwahrscheinlich, da der Bär den Menschen zudem aktiv meidet.
  • Braunbären sind scheue Wildtiere. In so gut wie allen Fällen wird ein Bär sich schnellstmöglich von einer Gruppe Menschen entfernen. Trotzdem sollte man dem Tier den nötigen Respekt zollen und Begegnungen so weit es geht vermeiden.
  • Selbst wenn ein Bär sich zu aggressivem Verhalten genötigt sieht, wird er fast immer erst einen Scheinangriff starten. Dann gilt es, sich flach auf den Bauch zu legen und sich tot zu stellen. Ernst gemeinte Angriffe mit Todesfolge kommen fast nie vor.

Leben zur Zeit Bären in Bayern?

Bayern hat zurzeit keine feste Bärenpopulation. Tatsächlich sind Besuche von Bären in Deutschland sehr selten. Als 2006 “Problembär” Bruno in Bayern auftauchte, war er der erste gesichtete Braunbär in Deutschland seit mehr als 150 Jahren.

2019 wurde ein junger Braunbär in Bayern an der deutsch-österreichischen Grenze von einer Wildkamera abgelichtet. Noch bis 2020 konnte die Anwesenheit des Männchens in der Umgebung nachgewiesen werden.

Wo ist der Bär in Bayern jetzt?

Spuren des Bärenbesuchs wurden zuletzt Anfang 2020 im südlichen Bayern gefunden. Seitdem wurde der junge Braunbär weder von Wildkameras abgelichtet, noch hat man Spuren wie Kot oder Tatzenabdrücke gefunden. Es ist deshalb anzunehmen, dass er sich nicht mehr in Bayern aufhält.

Wahrscheinlich war er auf der Suche nach einer Partnerin, wofür Bärenmännchen oft größere Strecken zurücklegen. Da Bärenweibchen aber oft nahe ihres Geburtsorts bleiben, wird der Bär wohl nach Trentino zurückgekehrt sein.

War der in Bayern gesichtete Bär ein “Problembär”?

Anders als der Bruno getaufte Braunbär JJ1 einst 2006 war der erstmals 2019 gesichtete Braunbär keine Gefahr für Nutztiere wie Schafe. Auch Bienenstöcke scheint er weitgehend ignoriert zu haben.

2019/2020 wurden keine Nutztiere gerissen.

Bruno war weitaus weniger scheu als die meisten Braunbären und hatte während seiner Zeit in Bayern mehrere Schafe getötet, teilweise auch nahe menschlichen Ansiedlungen. Er wurde daraufhin zum Abschuss freigegeben. Wie die meisten anderen Braunbären auch scheint der neueste Besucher allerdings zu große Scheu vor Menschen gehabt zu haben, um sich Siedlungen zu nähern.

Werden sich Bären wieder dauerhaft in Bayern ansiedeln?

Eine erneute Ansiedlung des Braunbären in Bayern ist nicht zu erwarten. Zum einen dauert es sehr lange, bis eine Bärenpopulation ihr Territorium um große Gebiete erweitert. Dies liegt auch daran, dass Weibchen sich meist nicht besonders weit von ihrem Geburtsort entfernen.

Bär Bayern

Ihm wirst du in Bayern eher nicht über den Weg laufen: der Braunbär. (Bildquelle: Marcel Langthim/ Pixabay)

Zum anderen fehlt in Deutschland die Akzeptanz von Seiten der Bevölkerung und gerade von Landwirten mit Nutztieren. Ähnlich geht es derzeit den sporadisch gesichteten Wolfsrudeln. Gewöhnt sich eine Bärenpopulation zu sehr an den Menschen, wird sie unter Umständen auch Schafe reißen und Ansiedlungen besuchen.

Wie verhältst du dich bei einer Begegnung mit einem Bären richtig?

Obwohl Bären bis vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland gelebt haben, sind Deutsche heutzutage Begegnungen mit diesen Tieren nicht mehr gewohnt. So bald wirst du einem Bären in Bayern allerdings wahrscheinlich auch nicht über den Weg laufen.

Trotzdem kann es nicht schaden, sich auf eine mögliche Begegnung mit einem Braunbären einzustellen. Denn einen Besucher wie JJ1 kann es immer geben, wie der 2019 abgelichtete Bär zeigt. Im Folgenden haben wir einige der wichtigsten Fragen zum Thema Aufeinandertreffen mit Bären zusammengetragen.

Was tun, wenn du in Bayern einem Bären in freier Wildbahn begegnest?

Solltest du tatsächlich einmal bei einem Waldspaziergang auf einen Bären treffen, gilt es erst einmal Ruhe zu bewahren. Bedenke: Dem Bären geht es in so einer ungewohnten Situation genau wie dir, denn die meisten Bären sind von Natur aus scheu und meiden Menschen.

Bleib ruhig und ziehe dich langsam zurück.

Du musst dem Bären also klarmachen, dass du weder eine Gefahr noch ein Beutetier für ihn bist.

Es gibt einige Verhaltensregeln, die du bei einem Aufeinandertreffen mit einem Braunbären unbedingt beachten musst. Wenn du diese befolgst, wird sich das Tier in so gut wie allen Fällen gegen eine Konfrontation entscheiden und sich zurückziehen.

  • Niemals nähern: Grundsätzlich gilt: je weiter du von dem Bären entfernt bist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er dich als Bedrohung wahrnimmt. Halte einen Mindestabstand von 100 Metern ein.
  • Niemals wegrennen: Damit machst du dich möglicherweise zum Beutetier. Ein Braunbär ist viel schneller als du und wird dich umgehend einholen. Entferne dich langsam und drehe dem Bären niemals den Rücken zu. Vermeide allgemein ruckartige Bewegungen.
  • Auf sich aufmerksam machen: Mach durch lautes Sprechen und langsames Gestikulieren mit deinen Armen auf dich aufmerksam. Damit warnst du das Tier vor und gibst ihm die Möglichkeit, sich ungestört zu entfernen.
  • Nicht verscheuchen: Weder solltest du mit Steinen oder Ästen nach dem Tier werfen, noch den Bären anschreien und Drohgebärden machen. All das könnte er als Provokation auffassen. Das gilt insbesondere für Bärenmütter mit Jungen.
  • Falls der Bär sich aufrichtet: In diesem Fall verschafft sich der Bär nur einen besseren Überblick. Es handelt sich hierbei nicht um eine Drohgebärde. Mache in diesem Moment auf dich aufmerksam, da du jetzt die volle Aufmerksamkeit des Bären hast.

Wie fast jedes andere Wildtier auch sind Bären nicht von Natur aus aggressiv. Bist du in den Augen des Bären weder Gefahr noch Beute, dann wird er nicht angreifen. Stattdessen wird er sich von dir entfernen. Folge ihm auf keinen Fall.

Bär Bayern

Aufrichten auf die Hinterbeine ist ein Zeichen von Neugier. (Bildquelle: Remains Healthy/ Pixabay)

Möglicherweise solltest du deine Wanderung jetzt abbrechen, insbesondere dann, wenn der Bär in die ungefähre Richtung deiner weiteren Route abgezogen ist. Melde die Sichtung bei nächster Gelegenheit dem zuständigen Förster.

Sind Bären für Menschen gefährlich?

Grundsätzlich stellen Bären für Menschen keine Gefahr dar. Wir fallen nicht in das Beuteschema eines Braunbären und sind in den Augen eines ausgewachsenen Tieres normalerweise keine Bedrohung.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen sich ein Bär provoziert oder in die Enge getrieben fühlen kann. Verhalte dich in diesem Falle ebenfalls so wie oben beschrieben. Sei dir aber bewusst, dass eine Aggression von Seiten des Bären in folgenden Situationen wahrscheinlicher ist:

  • Mutter mit Jungtier: Bärenmütter sind nie weit von ihren Schützlingen entfernt und äußerst aggressiv gegenüber möglichen Gefahren für das Junge. Nähere dich niemals einem Bärenjungen, selbst wenn du glaubst, dass es allein ist. Entferne dich umgehend und riskiere keine Fotos.
  • Im Winterschlaf gestört: Tiere, die in ihrer Winterruhe gestört werden, sind meist sehr hungrig und schlecht gelaunt. Vermeide bei deinem Spaziergang Höhlen, die groß genug für einen Bären zum Überwintern sind.
  • Beim Fressen gestört: Bei der Nahrungsaufnahme sind Wildtiere allgemein leichter reizbar und vorsichtiger. Du solltest dich auch einem scheinbar liegengelassenen Kadaver nie nähern, damit du nicht als Fressfeind wahrgenommen wirst.
  • Begegnung mit Hund: Halte deinen Hund im Wald immer an der Leine. Wenn sich der Bär von einem unangeleinten Hund verfolgt fühlt, wird er diesen wahrscheinlich angreifen. Dein Hund wird dann zu dir zurückrennen und den wütenden Bären zu dir führen.
  • Überraschende Begegnung: Kein Wildtier mag überraschende Begegnungen mit Menschen. Befolge die gleichen Regeln wie oben, aber sei vor allem bei einem Aufeinandertreffen auf kurzer Distanz (unter 50 Metern) auf einen möglichen Angriff vorbereitet.
  • Bär ist verletzt: Verletze Tiere fühlen sich viel eher in die Enge getrieben und haben ein erhöhtes Aggressionspotential. Hier gilt es die vorherigen Regeln ganz besonders zu befolgen.

Auch in diesen Situationen ist selbst ein Scheinangriff unwahrscheinlich. Solange du so gut es geht Abstand zwischen dich und das Tier bringst und es nicht durch plötzliche Bewegungen irritierst, wird es schnell das Interesse an dir verlieren.

Was tun, wenn der Bär trotzdem angreift?

Fühlt sich der Bär von dir zu sehr in die Enge getrieben, so kann es durchaus vorkommen, dass er sich zum Angriff entscheidet. Meist geht einer ernst gemeinten Attacke aber ein Scheinangriff voraus.

Bär Bayern

Angriffe durch Braunbären auf Menschen sind sehr selten. Mache dir hier nicht zu viele Sorgen. (Bildquelle: Tobias Markmeyer/ Unsplash)

Befolge die unten beschriebenen Regeln so gut es geht. Weder Kampf noch Flucht sind bei einem Braunbärenangriff eine gute Option. Nur wenn alles unten genannte nicht hilft solltest du dich wirklich wehren. Greif einen Ast oder spitzen Stein und ziele auf Augen und Nase.

  • Ablenken: Wirf eine Jacke oder ähnliches auf den Boden und entferne dich dann langsam. Manchmal irritiert das den Bären so sehr, dass er von dir ablässt. Behalte aber deinen Rucksack an, er schützt im Falle eines echten Angriffs deinen Rücken.
  • Nicht rennen oder auf Bäume klettern: Der Bär ist viel schneller als du und kann zudem klettern. Außerdem kannst du von einem Baum nicht entkommen. Weglaufen macht nur dann Sinn, wenn in der Nähe ein Gebäude oder Auto ist.
  • Nicht wehren: Du hast selbst gegen einen halbwüchsigen Braunbären keine Chance. Verletzt du den Bären oder machst du dich durch deine Bewegungen zum Beutetier, wird er dich schwer verletzen oder töten.
  • Tot stellen: Lege dich flach auf den Bauch und verschränke deine Arme im Nacken. So schützt du deine verwundbarsten Stellen, falls der Bär tatsächlich zubeißt. Bewege dich nicht. Fast immer wird der Bär dich beschnuppern, entscheiden, dass du keine Gefahr bist und weiterziehen. Stehe nicht auf, bis der Bär sich ein gutes Stück von dir entfernt hat, auch wenn das dauern kann.

Zu solchen Situationen kommt es selbst in Gebieten mit vielen Braunbären so gut wie nie. Weniger Menschen sterben pro Jahr durch Bärenangriffe als durch Angriffe von Kühen. Mach dir also keine Sorgen: gerade in Bayern wird es so weit nicht kommen.

Fazit

Bayern ist schon lange kein Bärenland mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass du bei einem Waldspaziergang Meister Petz über den Weg läufst, geht gegen null. Bärenbesuche sind in Bayern so selten, dass du bereits kurz nach seinem Auftauchen durch die Medien davon erfahren wirst und das Gebiet einfach meiden kannst.

Solltest du wider aller Erwarten auf einen wilden Braunbären treffen, dann verhalte dich ruhig und entferne dich langsam. Gib ihm keinen Grund anzugreifen, dann wird er das auch nicht tun. Mach dir deshalb um Bären in Bayern keine Sorgen und zolle ihm im Zweifelsfall einfach den nötigen Respekt.

Bildquelle: Joaquin Aranoa/ Pixabay

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