Dolomiten ohne Grenzen: 3 Tage auf Klettersteigen durch die Dolomiten

Der »Dolomiten ohne Grenzen« ist wohl der einzige Höhenweg der Welt, auf dem man jeden Tag einen Klettersteig geht …

125 Kilometer Dolomitenzauber: Der Weitwanderweg »Dolomiten ohne Grenzen« vereint Klettersteige und Höhenwege. Genial! – Hier gibt’s GPS-Daten & Reiseinfos (auch als PDF zum Download):


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Dolomiten ohne Grenzen
Dolomiten ohne Grenzen (aus Heft 09/2020)
Drei Tage auf Klettersteigen durch die Dolomiten

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Man kann von mehreren Orten auf den Rundweg Dolomiten ohne Grenzen zusteigen. Auf italienischer Seite bietet sich Sexten an, das man per Zug nach Innichen und von dort mit dem Bus gut erreicht. Der Bus 446 fährt auch weiter zum Kreuzbergpass, dem Mittelpunkt des Höhenwegs.Auf österreichischer Seite fährt man mit dem Zug nach Sillian oder mit dem Bus nach Kartitsch und steigt von dort zur Obstansersee-Hütte auf. Von allen Hütten kann man ins Tal absteigen und per Bus und Bahn zu anderen Zustiegspunkten gelangen. Besonders nahe an einer Busstation sind Rotwandwiesenhütte, Dreizinnenhütte und Auronzohütte.


Drei Etappen „Dolomiten ohne Grenzen“:

Etappe 1: Dreizinnenhütte nach Büllelejoch-Hütte
Von der Hütte folgt man den roten Markierungen hinauf zum Toblinger Knoten und quert ihn an der Südseite. Über Leitern und mit einem Stahlseil gesichert in einem Kamin hinauf bis zum Gipfelkamm steigen. Ein weiterer versicherter Klettersteig führt über die Nordostflanke wieder hinab. Über den Sextner Stein wandert man zurück zur Hütte und dahinter vorbei an der Felsnadel des Frankfurter Würstelsden steilen Stollen durch den Paternkofel hinauf. Von der Gamsscharte dahinter entlang eines Grats kraxeln und über einen wüsten Felshang gesichert zum Gipfel. Von dort über den gleichen Weg absteigen, eine Holzbrücke überqueren, auf einem letzten Klettersteig eine Schlucht durchqueren und auf einem Balkonweg über Blumenwiesen zur Hütte.


Mehr zum Thema:
Länge 5,92 km
Dauer 3:54 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 414 Meter
Höhenmeter absteigend 288 Meter
Tiefster Punkt 2402 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Etappe 2: Büllelejoch-Hütte – Carduccihütte
Ab der Hütte geht es über eine Spalte in einem Kamm und einen gesicherten Grat zum Zwölferkofel, den man unterhalb der Felswände in einem Geröllhang und über ein Schneefeld traversiert bis zur Forcella de l’Agnel. Hinter der Scharte entlang der neuen Stahlseile eine Rinne queren und auf der neuen Hängebrücke über die Schlucht gehen. An der Schlüsselstelle gilt es, unter einem Überhang zu krabbeln und entlang der Felswand weiter zu kraxeln. Auf Felsbändern und vorbei an der Felsnadel namens Salsiccia zur Carduccihütte wandern.


Mehr zum Thema:
Länge 6,45 km
Dauer 3:58 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 211 Meter
Höhenmeter absteigend 480 Meter
Tiefster Punkt 2526 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Etappe 3: Rifugio Carducci nach Rifugio Italo Lunelli
Nach einem kurzen Abstieg von der Hütte führt die Route den erneuerten Klettersteig Cengia Gabriella hinauf zu einer Rinne, wo selbst im Sommer noch meterdick Schnee liegt. Am Stahlseil kraxelt man ein kurzes Stück durch die Rinne und dann die Felswand hinauf. Auf einem ausgesetzten Felsband die Wand entlangwandern und in einen Felskessel absteigen. Hinter einem breiten Geröllhang beginnt der Roghel-Klettersteig. Zunächst kann man sich noch in eine Rinne spreizen, bald aber geht es senkrecht die Wand hinauf bis zu einer Scharte. Mit Blick auf den Großglockner und die Hütten weit unterhalb geht es wieder steil hinab. Die Bohrhaken des Stahlseils sind hier oft vier Meter voneinander entfernt, deshalb sollte man in der Felswand besonders konzentriert die Tritte wählen. Nach dem Ende des Klettersteigs geht es in Serpentinen über Almwiesen zur Lunellihütte hinab.


Mehr zum Thema:
Länge 8,02 km
Dauer 5:50 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 528 Meter
Höhenmeter absteigend 1233 Meter
Tiefster Punkt 2260 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Karten, Bücher, Infos

Die Klettersteige sind wenig markiert und beschildert. Deshalb muss man eine gute Karte mitnehmen. Empfohlen wird die topografische Wanderkarte »Dolomiti di Auronzo e del Comelico«, Maßstab 1:25.000, von Tobacco, Blatt 017.


Die offizielle Webseite www.dolo mitenohnegrenzen.eu bietet eine Übersichtskarte sowie Infos zu allen Etappen und Hütten. Auch auf Portalen wie Alpenvereinaktiv und via-ferrata.de findet man Karten, Höhenprofile und Wegbeschreibungen. Eine umfassende Broschüre zum Höhenweg bekommt man im Tourismusverein Sexten, Tel. 0039/0474/710310, E-Mail: info@sexten.it. Den offiziellen Wanderführer »Dolomiten ohne Grenzen« von Daniel Rogger gibt es inklusive topografischer Karte beim Verlag Versante Sud, versantesud.it, 19,50 Euro.


Beste Zeit

Die komplette Runde ist ab Anfang oder Mitte Juli bis zum ersten größeren Schneefall im Herbst möglich, meist Ende September.


Dolomiten ohne Grenzen


Stefan Santifaller

Easy going: Wanderpassagen und Kletterabschnitte wechseln sich unterwegs ab.

Anforderungen

Wer die »Dolomiten ohne Grenzen« ganz gehen will, sollte sehr fit sein und Erfahrung in Klettersteigen mitbringen. Manche Ferratas, wie der Alpinisteig (Kategorie A/B) oder der Paternkofel (B/C), schaffen auch Anfänger. Andere, wie die Cangia Gabriella oder der Roghel-Klettersteig, sind härter (C/D).


Unterkünfte & Restaurants am Höhenweg „Dolomiten ohne Grenzen“

Am Weg: Es liegen 17 Hütten am Wegesrand. Die Schlafplätze in ihnen sollte man einige Wochen vorab reservieren. Denn manche Hütten wie am Büllelejoch sind klein, andere wie an den Drei Zinnen enorm populär. Über die aktuellen Corona-Regeln informieren die Websites der Hütten, außerdem alpenverein.it


Dolomiten ohne Grenzen


Stefan Santifaller

Keine liegt höher in den Sextner Dolomiten: die Büllelejochhütte (2528 m).

Vor der Tour: Zum Kräftesammeln bieten sich die Wellnesshotels in Sexten an, zum Beispiel der Dolomitenhof. Vom Pool inmitten blühender Wiesen schaut man auf die Felswände des Fischleintals, es gibt Sauna, Heubäder und Massagen. Und das Frühstück auf der Terrasse ist auch nicht übel (Tel. 0039/04 74/ 71 30 00, dolomitenhof.com


Auf dem Weg: Es ist eine Binse, dass es auf Südtiroler Hütten gut schmeckt. Etwas Besseres als das Ossobuco auf der Dreizinnenhütte, die Brennnessel- Knödel mit Gorgonzola und Walnuss-Splittern auf der Carduccihütte oder den Kaiserschmarrn auf der Büllelejochhütte wird man in den Bergen nur schwer finden.


Dolomiten ohne Grenzen


Stefan Santifaller

Das Essen auf den Südtiroler Hütten schmeckt hervorragend – und das gilt nicht nur für den Kaiserschmarrn. Ossobuco, Brennnesselknödel in Gorgonzolasoße …

Vor und nach der Tour: Ausgezeichnete Südtiroler Küche bekommt man im Restaurant »Zum Hans« (Tel. 00 39/04 74/71 03 57, hans.bz.it) oder auf dem »Kinigerhof« (Tel. 00 39/04 74/710 704, kinigerhof.com), beide in Sexten.


Tipps und Reisebericht unseres Autors Florian Sanktjohanser


Dolomiten ohne Grenzen


Stefan Santifaller

  • FÜR EINSTEIGER: Als Drei-Tages-Tour für Einsteiger empfiehlt sich diese Route: Aufstieg zur Zsigmondyhütte vom Fischleintal. 2. Tag: via Alpinisteig zur Rotwandwiesenhütte. 3. Tag: auf die Rotwand, zurück zur Hütte, per Seilbahn ins Tal nach Sexten.
  • GANZ IN RUHE: Die Hütten auf der Osttiroler Seite der »Dolomiten ohne Grenzen« liegen am beliebten Karnischen Höhenweg und sind gut frequentiert. Doch die meisten Gäste wandern, auf den Klettersteigen ist wenig los.
  • UMLEITUNG: Wer sich einzelne Klettersteige nicht zutraut, kann sie umgehen – auch den etwas kniffeligen Severino Casara: über die Zwölferscharte und das Giralbajoch zur Carduccihütte.
  • INS MUSEUM: Entlang der einstigen Front erinnern einige Freilichtmuseen an den grausamen Gebirgskrieg, eindrucksvoll zum Beispiel im Freilichtmuseum Bellum Aquilarum auf der Anderter Alpe an der Sextner Rotwand. bellumaquilarum.it

„Die Mutprobe kommt hinter der Hängebrücke. Geduckt krabbeln wir unter überhängenden Felsen an der Schlucht entlang und verrenken uns, um die Karabiner im Stahlseil umzuklicken. Irgendwann wird der Überhang so niedrig, dass wir außen herum klettern müssen, blind nach schmalen Tritten über dem Abgrund tastend. Und dann zerrt auch noch was am Gurt. Ah, den Karabiner vergessen. Katzenpassage hat jemand diese nervenkitzelnde Kraxelei auf dem Klettersteig Severino Casara passenderweise genannt.


Sie ist eine der Schlüsselstellen des neuen Klettersteig-Höhenwegs mit dem schönen Namen »Dolomiten ohne Grenzen«: eine Kette von zwölf Klettersteigen, 125 Kilometer lang, mit 12.000 Höhenmetern, durch Italien und Österreich. Über weite Strecken folgt sie der Front des blutigen Gebirgskriegs von 1915 bis 1918. »Die Dolomiten sollen jetzt nicht mehr teilen, sondern verbinden«, rief Reinhold Messner in seiner Eröffnungsrede 100 Jahre nach Kriegsende. Die Idee zu dem Friedensweg stammt allerdings nicht von ihm, sondern vom Wirt einer abgelegenen Hütte. Doch dazu später mehr.“ … den kompletten Reisebericht lest ihr in der aktuellen OUTDOOR-Ausgabe 09/2020, ab 18. August am Kiosk.


OUTDOOR Ausgabe 09/2020 - Ort: Allgäu


lookphotos/Andreas Strauss/OUTDOOR

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