Klettern Osteuropa: Balkantrip: Ungarn, Rumänien, Bulgarien & Mazedonien

In diesem Artikel:


Info zum Klettern in den schönsten Klettergebieten von Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Griffiger Kalk neben einem Wasserfall: Im Sektor Vanturatoarea in Baile Herculane

Reisen in Ost-Europa


Grundsätzlich reist man im Osten ungefähr wie im Rest Europas, und doch ist alles etwas anders. Autobahn- und Straßenvignetten sind (teils per Video) streng überwacht, und Bußgelder kommen mit der Post zuhause an. Es muss auch zwingend die sogenannte internationale Versicherungskarte (umgangssprachlich „grüne Karte“) mitgeführt werden, denn in einigen osteuropäischen Ländern ist sie Pflicht und wird zusammen mit dem Pass an der Grenze kontrolliert. Keine Karte, keine Einreise! Ansonsten wäre noch zu erwähnen, dass auf dem Land oft nicht bargeldlos bezahlt werden kann – nur Bares ist Wahres. Am Automaten Geld abzuheben, ist hingegen kein Problem (solange man einen findet). Wer sich sprachlich vorbereiten will, fährt mit Russisch am Besten. Ein Navi ist extrem hilfreich, vor allem, wenn die Straßenschilder kyrillisch sind. Ansonsten braucht man sich nicht fürchten: Die Menschen sind sehr hilfsbereit und ehrlich, zumindest was die ländliche Region rund um die Klettergebiete betrifft.


Die vorgestellten Klettergebiete im Überblick:


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

1. Tardos 2. Kis-Gerecse 3. Baile Herculane 4. Belogradtschik 5. Karlukovo 6. Vratsa 7. Prilep

Kletterführer:


South Eastern Europe – Rock Climbing Atlas, Wynand Groenewegen und Marloes van den Berg, Rocks Unlimited Publications, 2006


Im KLETTERN-Shop erhältlich: Klettergebiet Skalky, Slowakei (29,90 Euro) + Kletterführer Vratsa (31,90 Euro) + Kletterführer Belogradtschik, Bulgarien (27,90 Euro) + Kletterführer Bulgarien (29 Euro)


Ungarn Tardos


Klettern in Ungarn


Georg Pollinger

Klettergebiet Tardos in Ungarn

Der alte Marmor-Steinbruch bietet schönen, stufigen Kalk mit zahlreichen Linien. Im Klettergebiet selbst ist eine Tafel mit Linien und Schwierigkeitsgraden aufgestellt, man muss das Gebiet also „nur“ finden. Dabei hilft entweder der Rock Climbing Atlas oder die Webseite www.thecrag.com unter Hungary/Tardos. An den Wochenenden kommen Kletterer aus Budapest und man hat definitiv nette Gesellschaft. In 10 Sektoren warten an die 100 Routen mit 10 Metern bis 25 Metern Länge und Schwierigkeiten von 5a bis 8a.


Kis-Gerecse


Klettern in Ungarn


Georg Pollinger

Klettergebiet Kis-Gerecse in Ungarn

Etwas mehr Zustieg hat das benachbarte Klettergebiet Kis-Gerecsei. In 13 Sektoren findet man von Sport bis Trad, von Risslinien über glatte Wände bis zum Überhang alles, was das Kletterherz begehrt. Der Fels ist sehr rau und schön, in den überhängenden Sektoren kann selbst bei Regen geklettert werden. Es warten an die 200 Linien mit Schwierigkeiten von 6a bis 8c. Infos gibt es bei www.summitpost.org


Rumänien Baile Herculane


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Klettergebiet Baile Herculane in Rumänien

Das enge Cerna-Tal wird von steilen Flanken begrenzt, die zahlreiche Kalkfelsen von allerfeinster Qualität und verschiedener Höhe bieten. Die Zustiege reichen von wenigen Minuten bis zu einer Stunde und mehr. In den etwa 20 Sektoren gibt es mittlerweile über 500 Linien zwischen 5a und 9a. Es bleibt nur die Quahl der Wahl, denn alles sehen werden die wenigsten. Grobe Infos gibt‘s im Rock Climbing Atlas, den Auswahlführer „Valea Cernei“ kann man im Umkreis von Baile Herculane kaufen (Infos siehe www.herculaneclimbing.ro)


Bulgarien Belogradtschik


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Klettergebiet Belogradtschik in Bulgarien

Belogradtschik ist von einem 25 km langen und etwa 3 km breiten Felsengebiet mit über 500 Felstürmen aus rotem Konglomeratgestein umgeben. Die beeindruckenden Felstürme, Pfeiler und Nadeln sind fast alle „beklettert“, von den Absicherungen her betrachtet jedoch sehr unterschiedlich ausgestattet. Es ist nicht verkehrt, ein Grundsortiment an mobilen Sicherungen mitzubringen (Keile, Friends, Cams und Totems). Informationen zu den Routen gibt es in Paules Kletterbibel Belogradtschik (Bulgarien), 4. Auflage 2017 oder im Netz in der Datenbank www.db-sandsteinklettern.gipfelbuch.de


Karlukovo


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Klettern in der Prohodna-Höhle, Karlukovo

In welcher Kathedrale darf offiziell geklettert werden? In Prohodna, der Höhle der Augen Gottes. An steilem, glattem, aber strukturiertem Kalk in einmaliger Atmosphäre warten in acht Sektoren über 100 Routen zwischen 5c und 9a, die in allen Schwierigkeiten faszinierende Bewegungen fordern. Die Linien sind teils bis zu 40 Meter lang, weshalb ein 80- oder zumindest ein 70- Meter-Seil empfehlenswert ist. Trotz extremer Hitze draußen kann in Prohodna bei angenehmen Temperaturen geklettert werden. Informationen zu Sektoren und Routen gibt es unter www.climbingguidebg.com


Vratsa


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Klettergebiet Vratsa in Bulgarien

Als cooler Zwischenstopp bei der Reise durch Bulgarien bietet sich das bekannte Klettergebiet Vratsa an. Während in der Schlucht zahlreiche Plattenschleicher direkt neben der Straße warten, findet man in der kleinen und großen Höhle weiter oben wunderschöne Henkel­paraden durch den Überhang von 6a bis 8c. Nicht nur wegen der Felsqualität sind eher die Sektoren mit längeren Zustiegen empfehlenswert, sie bieten eine schönere Aussicht und mehr Ruhe. Infos: VRATSA – CLIMBING GIDOVNIK, ISBN 9786199010525, Auflage 2020


Mazedonien Prilep


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Die Boulder in Prilep müssen sich nicht verstecken: ein grandioses Gebiet für Blockfreunde wartet in Mazedonien

Die Granitblöcke von Prilep sind noch eher unbekannt, deshalb ist jetzt die beste Zeit, sie unter die Finger zu nehmen. Aufgrund der südlichen Lage sind für schwere Probleme eher die Übergangsmonate zu empfehlen, wobei auch im Spätsommer geklettert werden kann. Es warten an die 500 Boulderprobleme von 5A bis 8A und die Zahl steigt stetig an. Der Kletterführer ist gerade hier extrem wichtig und absolut zielführend: PRILEP – MACEDONIA „BOULDERING GUIDEBOOK”, Balvania, Auflage 2015


(nach oben)


Story: Balkan statt Balkonien – Klettertrip nach Osten


Wenn sich dir zwei Wege bieten, dann wähle den Schwierigeren, heißt es in einem fernöstlichen Sprichwort. Zu den schwierigen Wegen zählt wohl auch, etwas Neues zu probieren, die Perspektive zu wechseln. Wer die „üblichen“ Klettergebiete satt hat und stattdessen auf Entdeckungsreise gehen möchte, versuche es einmal in Richtung Osten: Die Kette an einzigartigen, atemberaubenden Klettergebieten reißt nicht ab. Abenteuer inbegriffen, denn Englisch ist jenseits der ungarischen Grenze noch immer keine Universal­sprache. Ein paar Stunden ostwärts steht der Westeuropäer kulturell Kopf und kurz danach kann er noch nicht einmal mehr die Straßenschilder lesen. Und all das ist mit dem Auto erreichbar, mehr oder weniger „um die Ecke“.


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Klettern in Ungarn: nahe Budapest wartet bester Fels

Die letzten Berge liegen längst hinter uns, genauso wie die österreichische und die ungarische Grenze. Riesige Flächen, Wiesen und Felder mit Getreide, Obst- und Gemüse, soweit das Auge reicht. Von Felsen ist weit und breit keine Spur. Ein reichlich flacher Auftakt für unsere vierwöchige Sportkletterreise durch den Süd­osten Europas. Zugegeben, der Ungarn-Teil unseres Kletterführers ist nicht besonders dick, dafür sind Bilder und Beschreibungen vielversprechend. Tardos bei Budapest ist ein passender Zwischenstopp in Richtung Osten, zudem das angeblich beste Klettergebiet Ungarns. Aber trotz Smartphone und Navi ist es nicht so leicht zu finden. Wir stehen am Ende des kleinen Dorfes an einem Bauernhof und fragen um Hilfe. „No englisch – Rusky!“, kommt zurück. Im Buch zeigen wir auf eine Karte und das ungarische Wort für Klettern. Klettern? Wir blicken in fragende Gesichter. Dennoch eskortiert man uns hilfsbereit zum naheliegenden Wanderparkplatz, ab hier ist Feldsuche angesagt.


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Regensicher und gut: Klettern in Kis-Gerecse

Nach kurzem Orientierungsmarsch durch mystischen Laubwald, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, stehen wir in einem kleinen Amphitheater eines alten Marmor-Steinbruchs. Der rote Fels ist geprägt von Kanten, Leisten und Rissen, der raue Kalk lässt nichts zu wünschen übrig. Wir starten im Sektor Nagyfal mit Moha & Páfrány (6a/6a+) und Csiga-biga (6a/6a+). Nach kürzester Zeit sind wir mit den einheimischen Kletterern per Du und klettern uns von Empfehlung zu Empfehlung. So kommen wir in den Genuss von tollen Linien wie Hangyaboy (6a+) im Sektor Kristály-fal oder Styx (6b) im Sektor Boulder-fal, wo rechter Hand mit Tolnay Kata (6a), Táblás (6a+) und Sörhas (6a+) noch viele lohnende Klettermeter warten. Ein Muss sind zudem Titti (6b) und der Mega-Klassiker Zergevadász (7a). Gerne reichen wir hierzu die Beta der Einheimischen weiter: einfach nicht loslassen! Wer es steiler und härter mag, hängt noch ein oder zwei Tage im benachbarten Gebiet Kis-Geresce dran. Nach drei vollen Tagen sind wir zunächst satt geklettert und bereit für die Weiterreise ins „Herkulesbad“.


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Normaler Anblick: frei laufende Pferde in der Gebirgslandschaft Bulgariens

Felsen überm Suppentopf


Thermalquellen und Klettern in Baile Herculane – eine göttliche Kombination. Von der stärkenden Wirkung wussten schon die Römer, als sie den Kurort im Südwesten Rumäniens nach dem Halbgott Herkules tauften. Die erstklassigen Kalkfelsen rundum wurden hingegen erst in den 80er-Jahren entdeckt, und so ist mit der Zeit ein kleines, außerhalb Rumäniens eher unbekanntes Kletter-Eldorado entstanden: In den rund 20 Sektoren gibt es mittlerweile über 500 Routen aller Schwierigkeitsgrade. Als wir in Baile Herculane ankommen, übermannt uns allerdings etwas ganz anderes. Es fällt schwer, die Atmosphäre dieses Ortes in Worte zu fassen. In der einst glorreichen und heute etwas in die Jahre gekommenen Stadt am Rande des engen Cerna-Tals, wo bröckelnde Kurgebäude aus der Barockzeit neben Bauten aus der Sowjetzeit stehen, tummelt sich eine kunterbunte Menge aus Touristen aller Schichten und Klassen, von reich bis arm, von Armani bis Bademantel. Die einen im Hotel, die anderen am Campingplatz, und ein Stück weiter verbringen die Menschen ihren Urlaub neben der Straße, um nicht zu sagen: direkt auf der Straße. Im Bereich der Thermalquellen steht ein Auto hinter dem anderen, die ganze Straße ist besiedelt. Der Lada ist nicht nur Auto, sondern Urlaubsbehausung. Abgespannte Laken ergeben das Appartement mit Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer, Fernseher und SAT-Schüssel inklusive. Man trägt Bademantel. Unweigerlich haben wir das Gefühl, mitten durchs Wohnzimmer zu fahren, aber hier ist das völlig normal. Die Thermalbäder sind aus Steinen gemauerte Becken direkt am Fluss, wo heiß auf kalt trifft, jung auf alt, dünn auf dick, Schulter an Schulter im Suppentopf garend. Philosophisch könnte man es als „Freiheit des Seins“ bezeichnen. Passend zum Leitgefühl der Kletterer! Natürlich zieht es uns sofort in Richtung Felsen. Und auch hier ist bunt im Sinne von vielseitig, einzigartig und lohnend das richtige Wort. Egal ob Surplomba, Magnolia, Km 9 oder Cariera: Jeder Sektor hat seinen eigenen Charakter und bietet einmalige Routen aller Schwierigkeitsgrade. Ein absolutes Muss ist vor allem der Sektor Vanturatoarea. Abgesehen von genialen Linien und super Felsqualität hat er eine herrliche Lage am Wasserfall mit Weitblick ins wilde Cerna-Tal. Nach dem Klettern bleibt genügend Zeit, um sich ins Getümmel der heißen Quellen zu stürzen und „herkulanische“ Kraft für den nächsten Tag zu tanken. Ist das vielleicht schon der Höhepunkt unserer Reise?


Die Suche nach dem Gipfel


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Belogradtschiks Gipfel lassen Klettererherzen höher schlagen

Was Abenteuer angeht, legt Bulgarien noch eins drauf, denn hier erwarten uns kyrillische Straßenschilder! Ohne Navi wären wir auf der Suche nach Belogradtschik völlig aufgeschmissen. Es ist eine kleine Stadt im Vorgebirge des Balkan, mit verwinkelten Gässchen und der namensgebenden „weißen“ Burg aus der Römerzeit. Für Kletterer ist jedoch etwas ganz anderes von Bedeutung: Belogradtschik ist von einem 25 km langen und etwa 3 km breiten Felsengebiet mit über 500 Gipfeln aus rotem Konglomeratgestein umgeben. Beeindruckende Felstürme, Pfeiler und Nadeln, soweit das Auge reicht. Die Erschließung begann in den 60er-Jahren durch sächsische Kletterer und läuft seitdem stetig weiter. Vor allem ist es eine Hochburg für Abenteurer mit hoher Kletterethik und guter Klettermoral. Wer solide über dem Haken stehen kann, wird die Kletterei dennoch in vollen Zügen genießen. Und mit dem Erschließen ist es auch gar nicht so schwer, denn manchmal kommt man hier ganz unverhofft zu einer Erstbegehung, indem man unwissentlich am falschen Felsturm klettert …Wir starten mit dem Alten Weg (5a+) am Großen Klaus Turm, von dem wir bis zum Gipfelbuch nicht wissen, ob er es auch wirklich ist. Trotz GPS-Angaben der Felsen ist es nämlich gar nicht so schwer, sich im Zustieg zu verirren. Um so wertvoller sind andere Kletterer, um Informationen auszutauschen. „Da hinten ist einer auf einem Gipfel!“ Es ist selten, dass Kletterer untereinander so inständig Kontakt suchen wie hier. Nach kurzem Informationsaustausch landen wir noch über den Alten Weg (5c) auf dem Madonna Turm und erklimmen gemeinsam über die Friedenstaube (6b) den formschönen Kolibri. Mit dieser Tour ist Heinz Zak ein ganz schön luftiges Kunststück gelungen, sind wir uns einig. „Wenn das mal kein Anlass für eine Gipfelfeier ist?“ Einen unglaublich leckeren Grillteller und ein paar Bier später kennen wir auch unser nächstes Ziel. Für Höhlen-Fans lohne sich ein Abstecher in die unweit gelegene Magura-Höhle, heißt es im Reiseführer. Uns zieht es aufgrund schlagender Argumente in eine ganz andere Höhle: Prohodna bei Karlukovo soll eines der besten Klettergebiete Bulgariens sein.


Unterirdisch gut


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Eine der leichteren Linien in Karlukovo ist Tim bilding (6a), die den Pfeiler am Höhlenrand hochführt

Fast unglaublich, aber im flachen Landschaftsbild von Karlukovo schlummert unterhalb der Straße eine natürliche Karst-Kathedrale von etwa 40 Metern Höhe. Durch die Augen Gottes, zwei riesige Erosionslöcher in der Decke, fallen je nach Tageszeit zwei Lichtkegel in die Höhle ein. Das kleinste Geräusch hallt von den hohen Wänden wider und trägt zu einer andächtigen Atmosphäre bei. Dutzende Linien durchziehen die glatten, fein strukturierten Seitenwände und die mächtigen Sintersäulen im Gewölbe. Von kleingriffiger Leistenkletterei in der Senkrechten bis hin zu dreidimensionaler Sinterkletterei im Dach ist alles dabei. Am besten alle Linien von vorne bis hinten durchklettern, denn uns ist keine Route untergekommen, die nicht einzigartig wäre. Von Buona Sera (6c+) und Varna (7b) im Sektor Black Metal über den unteren Teil von One hot minute (7a) und Nepobedim (7a+) direkt unter Gottes Augen, bis hin zur langen und abwechslungsreichen Severozapad (7a+) und Sever (7b+) am Westeingang. Noch besser ist, ein paar Einheimische nach Tipps zu fragen, denn als Teil der lässigen Gemeinschaft macht das Klettern hier noch mehr Spaß. Hierzu noch ein kleiner, aber wesentlicher Hinweis: Nicken bedeutet in Bulgarien „Nein“ und Kopf schütteln bedeutet „Ja“ – genau umgekehrt wie gewohnt. Wenn also jemand auf eure Frage, ob eine Route cool sei, den Kopf schüttelt, dann dürft ihr getrost einsteigen.


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Freundlich und gastfreundlich: Der Gastgeber unserer Autoren in Prilep

Es geht weiter in Richtung Süden, saftiges Grün weicht langsam einem goldenen Gelb. Wir sind unterwegs nach Prilep, einem touristisch unbekannten Städtchen, dessen Boulderfelsen sich angeblich mit Top-Gebieten wie Rocklands oder Bishop messen können. Das will etwas heißen! Aus der Berg- und Hügellandschaft Nordmazedoniens tauchen wir in einen weiten Kessel ein. Große Felder, einfache Häuser und dazwischen immer wieder lange Leinen mit goldbraunen Tabakblättern, die an der Sonne trocknen. Wie unbedeutende Kieselsteine liegen in Richtung der Bergflanken zahlreiche Granitblöcke verstreut. Jetzt gilt es nur noch, den richtigen Feldweg dorthin zu finden. „Den haben wir gestern auch ewig gesucht. Fahrt uns einfach hinterher“, schallt es aus einem Schweizer VW-Bus, dem wir zufällig begegnen. Auch die Übernachtungsmöglichkeit ist schnell geklärt, als uns der Bauer auf seinem Land ein schmales Wiesenstück zuweist. Er kommt gerade mit seinem Pferdewagen vorbei: ein abgetragenes T-Shirt, zerrissene Hose und Gummistiefel, aber ein breites, freundliches Lächeln auf den Lippen. Wieder einmal sind wir von der Lebensfreude, der inneren Zufriedenheit und der Gastfreundschaft überwältigt.


Ein kleiner Vorgeschmack


Klettertrip Balkan: Klettern in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Mazedonien


Georg Pollinger

Spannende Boulderprobleme mit Weitblick: Prilep liefert.

Die nächsten Tage sind ein harter Test für unsere Hornhaut, denn wir bouldern, was die Finger hergeben. Es gibt Felsblöcke aller Größen und Formen. Von Auflegern bis Bierhenkel, von Schräge bis Überhang, und all das in allen Schwierigkeiten, angefangen bei 5A. Gemütlich ziehen wir die Matten von einem Block zum nächsten, diskutieren Züge, tüfteln an Lösungen. In der Hitze der Mittagssonne verkriechen wir uns in den Schatten und laben uns an Feigen, die hier wild wachsen und so herrlich schmecken. Abends versinkt eine riesige, rote Sonne am Horizont, während uns orientalische Musik aus der Stadt in den Schlaf wiegt. Ein Märchen aus Tausend und einer Nacht: Prilep ist ein wahres Boulderparadies, das mit den berühmten Gebieten locker mithalten kann. Fast wehmütig müssen wir den Blick langsam in Richtung Heimat wenden. Die Fahrt nach Paklenica läutet für uns das Ende einer faszinierenden Entdeckungsreise durch den Osten Europas ein. Es war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Fels-Juwelen, die dort schlummern und darauf warten, entdeckt zu werden. Jedes Land wäre eine Reise für sich wert. Weshalb es auch für uns hoffentlich bald wieder heißt: Auf in den Osten!


(nach oben)


Dieser Artikel kann Links zu Anbietern enthalten, von denen outdoor-magazin eine Provision erhält. Diese Links sind mit folgendem Icon gekennzeichnet:

Source

We will be happy to hear your thoughts

Hinterlasse einen Kommentar