Know-How: Kletterseile: Test: günstige Kletterseile + Tipps für den Kauf

In diesem Artikel:


4 günstige Kletterseile im Test


Das Gros der heute verkauften Seile wird beim Sportklettern draußen und drinnen eingesetzt. Das Standardseil zum Klettern am Fels ist ein Einfachseil mit einem Durchmesser zwischen 9 und 10 Millimetern. Für das Klettern am absoluten Limit greifen Kletterer gerne zu einem dünneren und leichteren Seil, das mit minimaler Reibung durch die Sicherungskette läuft. Dickere Seile weisen dagegen höhere Sicherheitsreserven und eine längere Haltbarkeit auf. Wir haben vier günstige Sportkletterseile im Preissegment von 125 bis 160 Euro für euch in der Praxis getestet. Die Preisangabe bezieht sich dabei auf eine Länge von 70 Meter, was heute die Standardlänge zum Sportklettern draußen ist. Die günstigen Preise erzielen die Hersteller durch einen Verzicht auf die sogenannten Ausstattungen, also zum Beispiel eine Imprägnierung gegen die Wasseraufnahme. Solange diese Seile ganz normal in trockener Umgebung und möglichst mit Seilsack genutzt werden, braucht es eine derartige Ausstattung nicht unbedingt. Allerdings dient eine Imprägnierung auch als Schutz vor Schmutz und trägt insofern zu einer längeren Lebensdauer des Seils bei.


Zum Projektieren geeignet


Die 9,8-mm-Klasse bietet einen guten Kompromiss aus Handling und Haltbarkeit. Vor allem schwerere Kletterer werden solche Seile beim extremen Sportklettern und Projektieren mit vielen kleinen Stürzen und häufigem Hängen am Bohrhaken spürbar langsamer verschleißen als ganz dünne Einfachseile. Unabhängig vom Durchmesser widersprechen sich die Ziele bestes Handling und hohe Haltbarkeit aber grundsätzlich etwas. Ein weicher konstruiertes Seil lässt sich gut klippen, „schluckt“ mehr Krangel und ist generell im Handling besser. Ein Seil mit einem härteren Mantel wird durch eine höhere Mantelgarnspannung erzielt. Das ist gut für die Haltbarkeit, führt aber zu einem steiferen Seil, das eher zu Krangeln neigt. Neben der Mantelhärte ist auch der Mantelanteil wichtig für die Langlebigkeit. Je höher, desto besser, lautet die einfache Faustformel.


In unserem Testfeld bringt das Edelrid Boa mit 40 Prozent den höchsten Mantelanteil mit, das Smart Lite von Tendon hat den straffsten Mantel und ist entsprechend das steifste Seil. Ansonsten geben sich die vier Seile in den Normwerten nicht allzu viel. Alle halten mindestens 7 Normstürze. Das Kharma von Beal weist den geringsten Fangstoß auf, was gut für den Stürzenden und die Sicherungen ist. Entsprechend ist aber seine dynamische Dehnung am höchsten, man fliegt also etwas weiter. Die statische Dehnung liegt bei den vier Kandidaten zwischen 6,3 (Tendon) und 9,3 Prozent (Edelrid). Sie ist zum Beispiel beim Topropen wichtig, wenn sich der Kletterer noch in Bodennähe ins Seil setzt. Dann ist ein sich weniger dehnendes Seil günstiger.


Gutes muss nicht teuer sein


Die vorgestellten Seile eignen sich alle gut zum normalen Sportklettern am Fels oder in der Halle. In Sachen Handling sind sich die Seile von Beal, Edelrid und Mammut sehr ähnlich. Alle drei sind angenehm weich, gut zu klippen und haben einen ähnlich rauen Mantel. Beal und Edelrid liefern ihre Seile in einer cleveren Verpackung, bei der das umständliche erste Abrollen entfällt: aus der Packung in den Seilsack ziehen, und die Seile lassen sich sofort krangelfrei benutzen. Das Smart Lite von Tendon ist zwar das günstigste Seil, aber auch etwas steifer als die anderen und zudem das kürzeste Seil im Testfeld. Sein härterer Mantel lässt auf gute Haltbarkeit hoffen und wird mit Gebrauch etwas weicher, dennoch reicht es in Sachen Handling und Krangel-Performance nicht ganz an die anderen heran.


Beal Karma



Kletterseile im Test


Ralph Stöhr

Karma von Beal

Leicht auszupacken dank „Magic Pack“ und angenehm weich im Handling: Das Karma macht vom Start weg eine gute Figur. Es überzeugt mit niedrigem Fangstoß und Metergewicht, weist aber auch mit 34 Prozent einen geringeren Mantelanteil auf als die Seile von Mammut und Edelrid. Das Seil war mit 4,46 kg* das leichteste im Testfeld, wir maßen eine Länge von ziemlich genau 71 Meter. Das mittelraue Seil ist gut knotbar und klippt sich sehr leicht. In Sachen Umwelt setzt Beal auf 100 Prozent Recyclebarkeit. Zusätzlich verspricht Beal, für jedes verkaufte Seil einen Baum zu pflanzen. Das Seil kommt mit Waschhinweis. Die kleine Plastikhülse mit den Norm­angaben am Seilende rutscht leider schnell vom Seil.


Kletterseile im Test


Ralph Stöhr

Kletterseil Karma von Beal

Fazit: Gutes Handling und geringes Gewicht kennzeichnen das Karma von Beal.


Technische Daten Beal Karma


  • Normstürze: 7
  • Metergewicht: 61 g
  • Fangstoß: 7,5 kN
  • stat. Dehnung: 8 %
  • dynam. Dehnung: 36 %
  • Mantelanteil: 34 %
  • Ausstattung: Magic Pack, Mittenmarkierung
  • Preis (70 Meter): 136,42 €
  • Hier bei unseren Partnershops bestellen

Edelrid Boa


Kletterseile im Test


Ralph Stöhr

Edelrid Boa

Wie alle Seile von Edelrid ist das Boa Bluesign-zertifiziert. Edelrids 3D Lap Coil sorgt dafür, dass das Seil nach dem Herausziehen aus der Packung sofort einsatzbereit und krangelfrei auf dem Seilsack liegt. Das Boa ist ähnlich weich und angenehm im Handling wie das Karma von Beal. Es hat allerdings einen deutlich höheren Mantelanteil, was gut für die Haltbarkeit ist. Unser Exemplar wog 4,59 Kilogramm und damit wenig mehr als das Karma, war mit knapp 72 gemessenen Metern Länge aber auch das längste der Testseile. Die dynamische Dehnung ist gering, der Fangstoß entsprechend etwas höher. Wer das Seil eines Tages ausmustern will, bekommt von Edelrid noch eine Anleitung zur Herstellung eines kleinen Teppichs aus dem alten Seil.


Kletterseile im Test


Ralph Stöhr

Kletterseil Edelrid Boa

Fazit: Knotet, klippt und klettert sich prima. Wer mehr Öko will, greift zum Parrot (9,8 mm) mit seinem Mantel aus Restgarnen.


Technische Daten Edelrid Boa


  • Normstürze: 7
  • Metergewicht: 62 g
  • Fangstoß: 8,8 kN
  • stat. Dehnung: 9,3 %
  • dynam. Dehnung: 32 %
  • Mantelanteil: 40 %
  • Ausstattung: 3DLapcoil, Thermo Shield Process, Mittenmarkierung
  • Preis (70 Meter): 154,95 €
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Mammut 9.8 Crag


Kletterseile im Test


Ralph Stöhr

Mammut 9,8 Crag Classic

Auch Mammuts 9.8 Crag ist ein Bluesign-Produkt und dazu noch PFC-frei und 100 Prozent recyclebar. Das ebenfalls angenehm weiche Seil knotet und klippt sich sehr gut und lässt auch sonst im Handling keine Wünsche aufkommen. Das erste Abrollen sollte aber sehr sauber erfolgen, um keine Krangel ins Seil zu bringen. Das Aufdrucken der Normwerte am Seilende hat den Vorteil, dass hier keine harten Enden entstehen, ist aber erfahrungsgemäß nicht besonders haltbar. Das 70-Meter-Seil wog 4,71 kg* bei rund 71 Meter Länge. Der Mantelanteil ist recht hoch, der Fangstoß allerdings auch. Die mitgelieferte Gebrauchsanleitung ist die übersichtlichste der vier Testkandidaten.


Kletterseile im Test


Ralph Stöhr

Mammut 9,8 Crag Classic

Fazit: Nach dem erstmaligen Abrollen gutes Handling und bis auf den etwas höheren Fangstoß auch gute Werte.


Technische Daten Mammut 9,8 Crag Classic


  • Normstürze: 7 bis 8
  • Metergewicht: 64 g
  • Fangstoß: 9,0 kN
  • stat. Dehnung: 8 %
  • dynam. Dehnung: 33 %
  • Mantelanteil: 38 %
  • Ausstattung: Classic, Mittenmarkierung
  • Preis (70 Meter): 150,00 €
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Tendon Smart Lite


Kletterseile im Test


Ralph Stöhr

Tendon Smart Lite

Das Smart Lite von Tendon ist das günstigste der vier Seile. Tendon bezeichnet sich selbst als umweltfreundliche Marke, wobei sich das nicht nur auf den Einsatz recyclebarer Verpackungsmaterialien bezieht, sondern auch auf die kostenlose Rücknahme der Seile zum Recycling. Mit 4,78 KG bringt das Smart Lite das höchste Gewicht auf die Waage, ist aber mit rund 69,5 Meter zugleich das kürzeste der Seile. Das Smart Lite ist mit spürbarem Abstand das steifste der vier Seile, was sich in etwas schlechterem Handling und einer deutlichen Krangelneigung bemerkbar macht. Dafür sollte es mit seinem festeren Mantel eine gute Haltbarkeit aufweisen.


Kletterseile im Test


Ralph Stöhr

Tendon Smart Lite

Fazit: Sehr günstig, dafür aber etwas steifer kommt das Smart Lite daher. Die drei Klebestreifen am Seilende könnten beim Abziehen an manchen Umlenkern oder Abseilstellen lästig werden.


Technische Daten Tendon Smart Lite


  • Normstürze: 7
  • Metergewicht: 64 g
  • Fangstoß: 8,5 kN
  • stat. Dehnung: 6,3 %
  • dynam. Dehnung: 34 %
  • Mantelanteil: k.A.
  • Ausstattung: Standard, Mittenmarkierung
  • Preis (70 Meter): 125,00 €
  • Hier bei unseren Partnershops bestellen


Kletterseile indoor & outdoor im Überblick



Einfachseile:

Modell Durch- messer Meter- gewicht Fang- stoß stat. Dehn. dynam. Dehn. Norm- stürze Mantel- anteil
Beal Opera 8.5 Unicore 8,5 mm 48 g/m 7,4 kN 8,4% 37% 5 37%
Black Diamond 9.9 9,9 mm 64 g/m 8,4 kN 7,6 % 32 % 6 k.A.
Edelrid Canary Pro Dry 8,6 mm 51 g/m 8,4 kN 7,4% 32 % 5 47%
Edelrid Swift Eco Dry 8,9 8,9 mm 52 g/m 8,8 kN 9% 33 % 5 34 %
Edelrid Parrot 9,8 mm 62 g/m 8,8 kN 9,3 % 32 % 7 40 %
Mammut Eternity 9.8 9,8 mm 64 g/m 8,5 kN 5,5 % 30 % 9-10 38 %
Millet Magma TRX 9.5 9,5 mm 57 g/m 8,3 kN k.A. 35 % 6 k.A.
Petzl Arial 9,5 9,5 mm 58 g/m 8,8 kN 7,6% 32 % 7 40 %
Tendon Master 9,7 9,7 mm 61 g/m 7 kN 6,3 % 36 % 9 k.A.

Hallenseile:

Modell Durch- messer Meter- gewicht Fang- stoß stat. Dehn. dynam. Dehn. Norm- stürze Mantel- anteil
Beal Wallmaster 10,5 10,5 mm 71 g/m 8,4 kN 8,5% 36 % 7 47%
Edelrid Tower 10,5 10,5 mm 69 g/m 8,4 kN 9,2 % 34 % 9 39 %
Mammut Gym Assorted 10 10,0 mm 64 g/m 8,3-8,9 7% 31 % min. 8 36 %
Petzl Mambo Wall 10,1 10,1 mm 65 g/m 8,5 kN 8,5 % 34 % 7 37%
Tendon Indoor 10.4 10,4 mm 72 g/m 7,7 kN 6,5 % 35 % 9 k.A.

Halb- und Zwillingsseile:

Modell Durch- messer Meter- gewicht Fang- stoß stat. Dehn. dynam. Dehn. Norm- stürze Mantel- anteil
Beal Gully 7,3 7,3 mm 36 g/m 5,2 kN 10,1 % 35 % 6 45 %
Edelrid Skimmer 7,1 Pro Dry 7,1 mm 36 g/m 6,1 kN 5,2 % 29 % 5 50 %
Tendon Master 7,8 7,8 mm 38 g/m 5,2 kN 6,5 % 32 % 6 k.A.

Übersicht aktuelle Kletterseile: Tabelle mit Produkt-Daten


KL Tabelle Vergleich Kletterseile Kaufberatung technische Daten


Magazin klettern

Technische Daten ausgewählter Kletterseile im Überblick (für Großansicht auf die Lupe oben rechts klicken).

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Welches Seil brauche ich?

Rund 170 verschiedene Seile von fast 20 Marken: Der Seilmarkt ist aktuell so unübersichtlich wie noch nie. Dazu sind Seile heute derart ausdifferenziert, dass man beim Kauf schon mal ins Grübeln kommen kann: Brauche ich ein Hallenseil, ein Seil fürs Alpine, ein Eis-Seil, ein Work-Out-Seil oder eins für den ultimativen Rotpunktversuch, ein Einfachseil, das zugleich auch Halb- und Zwillingsseil ist, oder ein Halbseil, das auch als Zwillingsseil verwendet werden kann?


Einfach nur klettern
Wer nur zum Sportklettern in den Mittelgebirgen geht, hat es leicht: Ein Einfachseil genügt. Der Sportkletterer braucht sich auch um die oft preissteigernde Ausrüstung – darunter versteht man die Imprägnierung und andere chemische Behandlungen des Seils – keinen großen Kopf zu machen.


Eine gute Ausrüstung trägt aber zum besseren Handling und zu einer längeren Lebensdauer des Seils bei. Sie verhindert nicht nur die Aufnahme von Nässe (seit kurzem durch den „UIAA Water Repellant“ Test genormt), sondern schützt auch vor Schmutz.


Der Seildurchmesser ist dagegen einige Überlegungen wert. Ganz generell gilt: Je dünner, desto leichter, desto geringer aber auch die Lebensdauer und die Sicherheitsreserve des Seils. Dies spiegelt sich auch in der Zahl der gehaltenen Normstürze wieder (wobei die nicht nur vom Durchmesser, sondern auch von der Konstruktion und Ausrüstung des Seils beeinflusst wird).
Wer nur in der Halle klettert, kann ein Hallenseil wählen. Die sind dank erhöhtem Mantelanteil besonders strapazierfähig, nicht zu dünn und werden auch in hallentauglichen Längen von 30 und 40 Metern angeboten.


Doppelt hält besser
Wer alpin klettert, hat die Qual der Wahl. Alpine Routen, bei denen man nicht längere Strecken abseilen muss, sind auch mit einem Einfachseil zu machen. Allerdings bedeuten zwei Seile mehr Sicherheit. Beim alpinen Sportklettern mit gebohrten Zwischensicherungen sind Zwillingsseile in ihrem Element. Sie sind im Handling noch relativ einfach.


Im hochalpinen Gelände oder wenn die Absicherung kompliziert ist und der Routenverlauf nicht wirklich gerade, sind Halbseile das Mittel der Wahl. Bei Seilen für den alpinen Einsatz ist die Imprägnierung ein wichtiger Faktor, da im Gebirge immer mit Nässe gerechnet werden muss.


Um euch die Auswahl zu erleichtern, stellen wir euch hier eine Auswahl an Seilen vor, die entweder besondere Eigenschaften aufweisen oder in einem der KLETTERN-Tests in der Vergangenheit besonders gut abgeschnitten haben (siehe Tabellen oben).



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Welches Seil wofür?

Einfachseil:


  • wird im Einzelstrang verwendet
  • ist beim normalen Klettern am Fels und in der Halle der Standard
  • Durchmesser von 8,5 bis rund 11 Millimeter
  • gängige Länge zum Draußenklettern heute 70 Meter
  • meistverkaufte Durchmesser für Sportkletterseile zwischen 9,7 und 10,5 Millimeter
  • dünnere Seile eher für erfahrene Spezialisten
  • Normprüfung mit einer Fallmasse von 80 kg, muss mindestens 5 sogenannte Normstürze halten

Beim Sportklettern drinnen und draußen sind Einfachseile Standard. Mit dem Einzelstrang fällt das Einbinden, Einhängen und Sichern leichter, und die Sicherheitsreserven sind allemal ausreichend. Aktuell werden Einfachseile von 8,5 mm (Beal Opera) bis 11,4 mm (Tendon Trust) angeboten. Wer sein Seil stark beansprucht und lange nutzen will, sollte einen Durchmesser von etwa 10 Millimeter wählen, oder bei dünneren Seilen auf einen möglichst hohen Mantelanteil achten. Obwohl laut Edelrid die am häufigsten verkaufte Länge 60 Meter ist (9,8 Millimeter ist meist verkaufte Durchmesser), empfehlen wir zum Draußenklettern 70-Meter-Einfachseile, das reicht auch in südlichen Gefilden beim Umlenken fast immer bis zurück zum Boden.


Halbseil:


  • beim alpinen Klettern und in selbst abzusichernden Routen im Einsatz
  • werden paarweise verwendet
  • bei Halbseiltechnik wird jeweils nur ein Strang dieses Paares in die Zwischensicherung geklippt, was die Seilreibung drastisch reduziert
  • dünner als Einfachseile, aber größere Sicherheitsreserven als diese bei Steinschlag oder Sturz über eine scharfe Kante
  • ermöglichen längere Abseilstrecken
  • wird im Einzelstrang mit 55 kg Fallmasse geprüft, muss dabei mindestens 5 Normstürze halten

Dreifach (als Einfach-, Halb- und Zwillingsseil) zertifizierte Seile bieten maximale Flexibilität.
Wobei man ketzerisch anmerken könnte: Wer alles kann, der kann nichts richtig. Will heißen: Diese Seile sind nicht für einen bestimmten Einsatz optimiert. Das ist aber gerade der Reiz, dass mit ihnen alles möglich ist. Bei meinem letzten England-Trip etwa waren zwei dünne Seile dieser Gattung im Gepäck. In Trad-Routen kamen in Halbseiltechnik beide Stränge zum Einsatz, in eingebohrten Sport- kletterrouten nur einer.


Als Einfachseile sind sie extrem leicht, erfordern aber einen erfahrenen Sicherer, passen nicht zu jedem Sicherungsgerät (Vorsicht bei älteren Geräten wie etwa dem Grigri 1) und verschleißen im Sportklettereinsatz schneller als dickere Seile. Als Halb- oder Zwillingsseil sind sie relativ dick und schwer, bieten aber große Sicherheitsreserven. Wer im Gebirge in Dreierseilschaft mit zwei Nachsteigern klettert, ist damit optimal unterwegs.


Eingeführt hat diese Seilklasse Beal 2004 mit dem Joker, das damals mit seinen 9,1 Millimetern das dünnste Einfachseil war. Heute sind wir bei 8,5 Millimetern angelangt. Viele Hersteller legen nun aber nicht mehr das Hauptaugenmerk darauf, noch dünnere Einfachseile zu produzieren, sondern die dünnen, etwa durch mehr Mantelanteil, haltbarer zu machen.


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Zwillingsseil:


  • Zwitter aus Einfach- und Halbseilen
  • werden wie Halbseile im Doppelstrang verwendet
  • jeweils beide Stränge werden aber wie beim Einfachseil in jede Zwischensicherung eingehängt
  • werden im Sturzfall im Doppelstrang belastet und können deshalb dünner ausfallen als Halbseile
  • beim Abseilen und in der Sicherheitsreserve dem Einfachseil überlegen
  • kein Vorteil in Sachen Seilreibung
  • Prüfung im Doppelstrang mit 80 kg Fallmasse, muss dabei mindestens 12 Normstürze halten

Wer im alpinen Gelände unterwegs ist, nimmt lieber zwei. Zwei Seile bieten nicht nur höhere Sicherheitsreserven, etwa wenn das Seil bei Stürzen über eine scharfe Felskante läuft, und ermöglichen längere Abseilstrecken. Sie lassen sich auch im Zu- und Abstieg ganz gerecht auf zwei Rucksäcke verteilen.


Den Trend zur Multi-Zertifizierung gibt es auch hier: Viele Hersteller bieten Seile an, die sowohl als Halbseil als auch als Zwillingsseil eingesetzt werden können. Wobei sich Alpinisten wohl nie so streng an diese Einteilung gehalten haben. Vorsicht ist beim Sichern bei den ganz dünnen Vertretern (Edelrid Skimmer 7,1 mm oder Beal Gully 7,3 mm) dieser Gattung angesagt. Die meisten Standardtuber sind für diese Seildurchmesser nicht zugelassen. Beim Einsatz als Zwillingsseil ist in diesem Fall immer noch der gute, alte Halbmastwurf mit die beste Methode.



Warum ein Hallenseil?

Dass heute alle Hersteller ein oder mehrere Hallenseile mit erhöhtem Mantelanteil anbieten, hat seinen Grund. Seile werden drinnen durch häufiges Toprope-Klettern und Ablassen sowie durch Stürze stärker belastet als draußen. Die Folge sind sehr häufig Mantelverschiebungen, da das Seil immer an den gleichen Stellen belastet wird. Auch die Verschmutzung durch Chalk ist nicht zu vernachlässigen. Natürlich steht es jedem frei, sein langes Seil für Draußen auch in der Halle zu verwenden, ein kürzeres Hallenseil (30 bis 40 m) ist aber deutlich besser zu handeln. Wer sein altes Draußen-Seil für den Hallenbetrieb abschneidet, sollte es wegen der Mittenmarkierung an beiden Enden tun und darauf achten, das kurze Seil nun nicht mehr draußen zu verwenden (Ablassunfälle!). Die meisten Hallenseile werden allerdings direkt an Hallenbetreiber verkauft.


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So sind Kletterseile konstruiert

Klassische Konstruktion
1956 führte die Allgäuer Firma Edelrid das sogenannte Kernmantel-Seil ein. Bis heute beruhen praktisch alle Kletterseile auf dieser Konstruktion. Ein Kern aus ungefärbten Polyamid-Garnen sorgt dabei zum größten Teil für die Haltekraft des Seils, ein schützender, farbiger Mantel wird um diesen Kern herumgeflochten.


Drei Kerne oder mehrere Schichten
Eine interessante Idee verfolgt Millet seit einiger Zeit mit seinen Triaxiale-Seilen. Dabei ist der Kern ist zu drei dickeren Strängen zusammengeflochten. Den Vorteil sieht Millet unter anderem darin, dass bei Beschädigung des Seils (zum Beispiel durch Steinschlag) die einzelnen Kernstränge immer noch eine hohe Haltekraft aufweisen. Tendon baut seine Seile mit Secure Technology aus vier Schichten auf. Um den Kern aus Einzelsträngen wird eine Hülle aus Kernmaterial geflochten, darüber folgt eine dünne Zwischenschicht und dann erst der Mantel. Tendon verspricht sich dadurch mehr Sicherheit und Haltbarkeit.


Aus einem Guss
Nahezu alle Hersteller haben heute Verfahren entwickelt, mit denen Kern und Mantel entweder teilweise oder ganz verbunden werden. Dies verhindert die sogenannte Mantelverschiebung, die das Handling bei viel benutzten Seilen deutlich verschlechtert. Bei Beals Unicore-Seilen etwa sind Kern und Mantel miteinander verwoben. Bei den Seilen mit LinkTec von Edelrid sind Kern und Mantel verklebt.


Richtige Seilpflege

Wer sein Seil richtig handhabt und ihm etwas Pflege angedeihen lässt, wird noch länger etwas davon haben:


  • Seilsack benutzen: Im Seilsack ist das Seil relativ geschützt vor Schmutz und auch vor UV-Strahlung, die das Polyamid schneller altern lässt.
  • Erst Clippen, dann Chalken: Übermäßig viel Magnesia kann dem Seil ebenso schaden wie Sand oder Staub.
  • Seil-Enden abwechseln: Nach einem Sturz (oder mehreren, wie beim Ausbouldern) einmal „durchziehen“: So kann das beanspruchte Ende pausieren. Weiterer Vorteil des Durchziehens: Krangel werden verringert, etwaige Schäden lassen sich ertasten.
  • Aufbewahrung und Transport: Das Seil sollte an einem kühlen, trockenen und sauberen Ort gelagert werden. Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.
  • Reinigung: Kletterseile lassen sich per Hand oder in der Waschmaschine waschen. Die meisten Seilhersteller empfehlen Feinwasch- oder spezielles Seil-Waschmittel. Auf keinen Fall sollte man Kletterseile aber schleudern oder in den Trockner geben!

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Kletterseil waschen – so geht’s


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Darum reißen Kletterseile

Auch wenn sie in den letzten Jahren stark abgenommen haben, gibt es sie immer noch: schwere und oft tödliche Unfälle durch einen Seilriss. Zwei der möglichen Hauptursachen sind seit langem bekannt, eine weitere ist erst in letzter Zeit hinzu gekommen:


  • Chemische Einwirkung: Falsche Lagerung im Zusammenhang mit Säuren oder Lösungsmitteln, meist versehentlich im Kofferraum, in der Garage oder im Keller.
  • Sturz über eine Felskante: Gegen solche Unfälle, meist im Gebirge, hilft nur ein überlegter Seilverlauf und eine hohe Energiereserve, sprich dicke Einfachseile oder Doppelseile.
  • Eingeschliffene Karabiner mit scharfen Kanten: In Highend-Routen mit fixen Exen nützen sich die Karabiner stark ab. Also genau hinschauen und im Zweifel eigene Exen einhängen.

Wann Kletterseil ausmustern?

Die Lebensdauer eines Kletterseil hängt primär von seiner Nutzung ab. Zwar altert das Seil auch so, in aller Regel wird aber der Verschleiß das begrenzende Kriterium sein. Einen ungefähren Zeitraum, wie lange das Seil je nach Nutzungshäufigkeit hält, nennen die Hersteller in den Gebrauchsanweisungen. Sehr detailliert sind hier die Angaben bei Mammut:


  • bei fast täglicher Benutzung: weniger als 1 Jahr
  • bei Benutzung jede Woche: bis zu 1 Jahr
  • bei Benutzung mehrmals im Monat: bis zu 3 Jahre
  • bei Benutzung einmal pro Monat: bis zu 5 Jahre
  • bei seltener Benutzung (ein oder zweimal im Jahr): bis zu 7 Jahre
  • ohne Benutzung: maximal 10 Jahre.

Andere Hersteller fassen sich hier kürzer. Beal etwa spricht von einer maximalen Lagerung vor der ersten Benutzung von 5 Jahren und einer anschließenden maximalen Gebrauchsdauer von 10 Jahren. Dabei sollte man sich aber immer im Klaren sein, dass die Lebensdauer bei entsprechender Schädigung bereits nach der ersten Benutzung abgelaufen sein kann.


Unabhängig vom Alter gehört ein Seil auf alle Fälle ausgemustert, wenn:


  • der Mantel beschädigt und der Kern sichtbar ist
  • das Seil mit Chemikalien, vor allem Säuren, in Berührung kam (niemals das Seil ungeschützt auf die Straße oder einen Parkplatz legen!)
  • extreme Belastungen aufs Seil kamen (etwa Stürze deutlich über Sturzfaktor 1; Sturzfaktor = Fallhöhe/Länge des ausgegebenes Seils)
  • der Mantel extrem abgenutzt oder verschoben ist
  • das Seil extrem verschmutzt ist (Öl, Teer, Fett)
  • starke Verbrennungen (durch Hitze oder Reibung enstanden) am Mantel sichtbar sind

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