Lockdown & Klettern: 5 Kletterer erzählen: fit durch den Lockdown

Während in manchen Gegenden die Hallen schrittweise wieder öffnen, gibt es in vielen Gegenden noch keine Aussicht darauf, wann die Kletterhallen wieder öffnen. Wir wollten wissen, wie Kletterer durch den Lockdown kommen und haben fünf Menschen dazu befragt.


Caro & Simon aus Hamburg


„Wir haben uns einen Trainingsplan zusammengestellt“


So trainieren Kletterer im Lockdown


privat

Simon, 32, Data-Scientist; und Caro, 28, Prozessmanagerin, Hamburg; schwerste Routen 2020: 8+ und 8

Wir hatten uns schon im Frühjahrs-Lockdown ein Griffbrett und eine Klimmzugstange zugelegt und zu Hause trainiert. Seit April sind wir beide in Kurzarbeit, wodurch wir unsere Freizeit flexibler einteilen konnten, so waren wir öfters im Ith zum Klettern oder im Harz zum Bouldern. Nachdem die Hallen jetzt wieder geschlossen sind, haben wir unser Training vom Frühjahr wieder aufgenommen.


Zweimal die Woche machen wir zu Hause ein Athletiktraining. Wir variieren mit den Übungen und überlegen uns vorher, was wir genau machen. Dabei versuchen wir möglichst verschiedene Bereiche abzudecken: Explosivkraft, Maximalkraft, Körperspannung, Antagonisten und Koordination. Wir versuchen immer zwei Übungen einzubauen, an denen man etwas knabbern muss, wie zum Beispiel Towel Pullups. Die anderen Übungen gehen besser, wie normale Klimmzüge, Liegestütz oder halbe Aufroller, die fast immer dabei sind. Manchmal probieren wir uns auch statt Liegestütz am Handstand oder nutzen unseren selbstgebastelten Schlingentrainer für Ys und Ts. Die Übungen haben wir uns unter anderem bei Youtube im Kanal Target10a rausgesucht und in Anlehnung daran einen Trainingsplan zusammengestellt. Ein- bis zweimal die Woche machen wir dann noch ein auf Maximalkraft ausgerichtetes Fingertraining am Trainingsboard. Das dauert ungefähr eine halbe Stunde und umfasst zurzeit sieben verschiedene Griffformen. Wir halten die Griffe zwischen 8 und 14 Sekunden – je nachdem, was wir eben jeweils an einem Griff hinbekommen mit vier Wiederholungen. Also zum Beispiel 12 Sekunden halten, 25 Sekunden Pause, dann wieder 12 Sekunden halten. Das eben vier Mal, und nach drei Minuten Pause kommt dann der nächste Griff dran. Wir nutzen dazu die App zu unserem Griffbrett, in der man die Trainings frei definieren kann. Den November durch haben wir noch täglich 15 bis 30 Minuten Yoga über Youtube gemacht, und tatsächlich merke ich (Simon) schon Fortschritte in meiner Beweglichkeit.


Wir freuen uns darauf, wieder ohne Einschränkungen reisen zu können!


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Sophia aus Stuttgart


„Ich finde es schwer, mich zu motivieren“


So trainieren Kletterer im Lockdown


privat

Sophia, 25, Stuttgart, studiert Sonderpädagik auf Lehramt, arbeitet in der Boulder- & Ninjahalle Active Garden in Waiblingen;
schwerste Route 2020: 7

Neben ein- oder zweimal Bouldern pro Woche war ich früher immer einmal pro Woche auch Seilklettern, für den Kopf. Ich habe ausgeprägte Sturzangst und brauche die Routine am Seil. Wenn ich es nur einmal zum Bouldern geschafft habe, habe ich zu Hause auch mal ein Bauch-Workout von Youtube gemacht, außerdem versuche ich ein bis zwei mal pro Woche Yoga zu machen.


Im November-Lockdown fand ich es echt schwer, mich zu motivieren. Beim letzten Lockdown hat der Cheftrainer unserer Halle zweimal wöchentlich über Instagram live ein Training gegeben, das war cool, da habe ich immer mitgemacht. Das dauerte eine Stunde und bestand aus Aufwärmen und dann Körperkraftübungen wie Liegestütz, Bauchtraining, dynamisch in die Brücke gehen, Dips, sowas. Es gab öfter mal starke Kletterer wie Moritz Hans oder Lina Himpel zu Gast, die ihre Lieblingsübungen gezeigt haben, und das Training hat zumindest körperkraftmäßig gut fitgehalten. Nach meiner Sprunggelenksverletzung finde ich es jetzt schwer, mich zum Joggen zu motivieren, aber phasenweise bin ich ein mal pro Woche gelaufen. Manchmal trainiere ich an unserer WG-Klimmzugstange. Ich schaffe ungefähr drei Klimmzüge, und dann mache ich noch negative Klimmzüge: hoch springen, dann so langsam wie möglich ablassen. Davon mache ich ungefähr sieben.


Ich freue mich darauf, endlich wieder Menschen zu treffen, einfach mal was trinken gehen zu können und wieder sozialer zu sein.


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Matthias aus Innsbruck


„Fit halte ich mich hauptsächlich am Fels“


So trainieren Kletterer im Lockdown


privat

Matthias, 31, selbständiger Werbeberater & Mitgründer von www.climbers-finest.de, Innsbruck; schwerste Route 2020: 9-

Vor Corona war ich unter der Woche meistens zweimal in der Woche abends in die Kletterhalle. Wenn es sich ausging, war ich am Wochenende draußen klettern.


Seit die Halle in Innsbruck geschlossen ist, gehe ich so viel wie möglich draußen klettern. Im Moment kann ich mir das zum Glück recht flexibel einteilen: Ich arbeite, wenn die Sonne nicht scheint. Daher bin ich ungefähr viermal pro Woche am Fels, meist unter der Woche, weil dann weniger los ist. Meistens nicht den ganzen Tag, sondern ein paar Stunden, so lange die Sonne da ist. Spezifisches Training mache ich derzeit nicht.


Im ersten Lockdown hatte ich einen Schlingentrainer gebaut und ein Hangboard aufgehängt. Da habe ich gemeinsam mit meiner Freundin dann so gut wie jeden Tag trainiert – jeweils 45 Minuten bis eine Stunde. Jetzt im zweiten Lockdown darf man ja nach wie vor klettern gehen. Fit halte ich mich im Moment also hauptsächlich am Fels. Das nächste Sportklettergebiet, der Höttinger Steinbruch, ist nur 10 Minuten zu Fuß entfernt. Die Martinswand ist auch nicht weit, und Nassereith liegt in der Nähe der Eltern meiner Freundin, da sind wir auch oft. Da können wir uns in Tirol wirklich glücklich schätzen.


Am meisten freue ich mich darauf, wieder mehr Freunde zu treffen. Und ganz besonders, dass das Reisen hoffentlich wieder einfacher wird.


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Sophie aus Inning am Ammersee


„Dienstag ist der harte Trainingstag, damit bis zum Wochenende der Muskelkater wieder weg ist“


So trainieren Kletterer im Lockdown


privat

Sophie, 34, selbstständige Glasermeisterin, Inning am Ammersee; schwerste Route 2020: 10

Üblicherweise habe ich montags Ruhetag gemacht, Dienstag in der Halle trainiert, Mittwoch und Donnerstag auch, und am Freitag nichts gemacht, weil ich dann schon wieder Richtung Fels unterwegs war, um Samstag und Sonntag draußen zu klettern. Im November war ich am Wochenende auch meist noch am Fels. Dann ist montags oft Dehnen angesagt, um die vom Klettern am Wochenende nach vorn gezogenen Schultern wieder aufzudehnen und die verkürzten Armmuskeln wieder zu lockern. Und ich arbeite an der Beinbeweglichkeit, da habe ich noch Potenzial. Oft mache ich noch Ausgleichstraining für die Schultern, Stabilisationsübungen. Das mache ich mit dem Theraband und konzentriere ich mich auf die Außen- und Innenrotatoren.


Dienstags ist der harte Trainingstag, da sind die großen Muskelgruppen dran: Klimmzüge, Kniebeugen, Liegestütze in verschiedenen Breiten und für die Körperspannung mach‘ ich meistens so ein zehnminütiges Core-Burner-Video von Youtube. Diese anstrengenderen Sachen versuche ich Dienstags zu erledigen, damit der Muskelkater bis zum Wochenende wieder weg ist (lacht). Mittwoch mache ich manchmal nochmal Core und dehne den Muskelkater vom Dienstag. Donnerstag mache ich nicht viel, damit ich am Wochenende wieder erholt bin.


Eigentlich habe ich keinen Plan, und eine Klimmzugstange habe ich auch erst seit diesem Lockdown. Im Frühjahr habe ich meine Klimmzüge am Griffbrett gemacht. Neuerdings besitze ich ein paar Kettlebells, damit kann ich meine Körperkraft-Übungen etwas verschärfen.


Jetzt, wo sich meine Gelenkkapsel am Ringfinger wieder erholt hat von einer leichten Überlastung, werde ich einmal pro Woche am Beastmaker Repeater machen, also den 7-zu-3-Sekunden-Rhythmus mit 7 Wiederholungen. Wenn der Finger wieder voll fit ist, kommen wieder MaxHangs mit Zusatzgewicht dazu.


Worauf ich mich wirklich freue, ist, dass ich alle meine Freunde wieder so sehen kann, wie ich möchte. Und dass man sich wieder frei bewegen kann.




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